Weitblick in Nikolausberg – aber bitte mit Augenmaß

Die CDU-Ratsfraktion stellte zum Baugebiet „Auf der Lieth“ Änderungsantrag im Bauausschuss

Überfrachten möchte die Ortsbürgermeisterin und die rot/grüne Mehrheitsgruppe im Ortsrat ein relativ kleines Neubaugebiet in Nikolausberg am Hochhaus mit einer durchgehend viergeschossigen Bauweise plus fünftem Staffelgeschoss, verbunden mit einer Vielzahl von Nutzungen: Krippe, KiTa, Café, Physiotherapie, Frisör, Tagespflege, Quartierstreff, Gemeinschaftsgarten und Seniorenwohnen.

In einem Änderungsantrag zu der Bauausschusssitzung am 22. April 2021 setzte sich die CDU-Ratsfraktion dafür ein, dass nur für barrierefreies Seniorenwohnen hier vier Vollgeschosse errichtet werden dürfen, ansonsten sollen hier mit maximal zwei Vollgeschossen Reihenhäuser und Doppelhäuser entstehen, wie sie der Siedlungsstruktur südlich der Straße „Auf der Lieth“ entsprechen. So soll es einerseits älteren Nikolausbergern ermöglicht werden, auch bei eingeschränkter Mobilität in ihrem gewohnten Umfeld wohnen bleiben zu können und so soll andererseits vermieden werden, dass sich die angespannte Parkplatzsituation in diesem Bereich noch weiter verschärft.

Das sagt Wibke Güntzler, CDU-Ratsfrau und Mitglied im Ortsrat Nikolausberg:

„Eine bauliche Erweiterung sollte mit Augenmaß erfolgen und die Interessen aller Nikolausberger berücksichtigt werden. Das eindeutige und langjährige Interesse in Nikolausberg an barrierefreiem Seniorenwohnen soll hier endlich realisiert werden, ansonsten sprechen wir uns für eine Siedlungsstruktur aus, die insgesamt mit dem Sozialgefüge Nikolausbergs harmonisiert und sich gut in das vorhandene Orts- und Landschaftsbild einfügt. Nach wie vor suchen junge Familien in Göttingen und speziell Nikolausberg nach individuellen Wohnformen. Für die in Nikolausberg fehlenden Kita- und Krippenplätze gibt es auch an anderer Stelle geeignete Lösungsvorschläge. Die CDU im Ortsrat hat in der letzten Ortsratssitzung mit einem konkreten Vorschlag einen Prüfantrag an die Verwaltung gestellt, in dem sich die Kindertagesstätte „Baumhaus“ weiterentwickeln und ausreichend Betreuungsplätze schaffen kann.“

Zum Hintergrund:

Im komplett erneuerten Flächennutzungsplan von 2017 waren auch 15.000 Quadratmeter in Nikolausberg „Auf der Lieth“ als Neubaugebiet ausgewiesen worden. Nach dem Flächenerwerb durch die Stadt steht nun der erste Schritt zur Erstellung eines Bebauungsplans an, der Aufstellungsbeschluss. Hier geht es nur generell um die Art der künftigen Nutzung – hier: Wohngebiet – , aber auch schon um die groben Vorgaben des Maßes der baulichen Nutzung, also: Wie dicht und wie hoch soll dieses Gelände bebaut werden dürfen?

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Wortlaut des Änderungsantrages:

Änderungsantrag zu TOP 8 zur Sitzung des Ausschusses für Bauen, Planung und Grundstücke am 22. April 2020

Änderung des Planungszieles im Bebauungsplan Göttingen-Nikolausberg Nr. 22 „Auf der Lieth“

Der Ausschuss möge beschließen:

In der Beschlussvorlage zum B-Plan Göttingen-Nikolausberg Nr. 22 „Auf der Lieth“ wird unter Zif. 3. „Ziele und Zwecke der Planung“ die Formulierung unter dem ersten Spiegelstrich geändert und ergänzt:

– Schaffung der planungsrechtlichen Voraussetzungen zur Entwicklung eines Baugebietes für eine Wohnbebauung, im Nordwesten für Geschosswohnungen, insbesondere für barrierefreies Seniorenwohnen, auf dem übrigen Areal für Reihenhaus- und Doppelhausbebauung Folgende Werte/Kennzahlen sollen nicht überschritten werden: Für den Geschosswohnungsbau GRZ 0,4; GFZ 1,0; Zahl der Vollgeschosse: max. IV, für die Reihenhausbebauung: GRZ 0,4; GFZ 0,8; Zahl der Vollgeschosse: max. II.

Begründung:

Trotz einer weiteren Verschärfung der Verkehrsproblematik wird von der Bevölkerung in Nikolausberg eine Erweiterung des Wohnungsangebotes angesichts des Wohnungsmangels grundsätzlich begrüßt; insbesondere dann, wenn ein spezielles Angebot für barrierefreies Seniorenwohnen geschaffen wird, das es älteren Nikolausbergern ermöglichen wird, in ihrem jahrzehntelangem Wohnumfeld wohnen bleiben zu können.

Nicht in der Beschlussvorlage, aber in der Beratung des Ortsrates Nikolausberg am 18.03.21 war von der Verwaltung eine angestrebte Geschossflächenzahl (GFZ) von 1,0 genannt worden. Dieses Maß der baulichen Nutzung wie auch „vier Vollgeschosse und mehr“ in der Vorlage wären hier sowohl sozialbevölkerungs-politisch als auch im Hinblick auf die Architektur dem Ort und dem Bebauungsbild nicht zuträglich.

Es trifft zwar zu, dass nordwestlich ein stark verdichtetes Wohngebiet, sogar mit einem Hochhaus, angrenzt, andererseits wird die Südseite der Straße „Auf der Lieth“ von Reihenhäusern bestimmt, die in der Dichte am ehesten dem Siedlungsmaß im ganzen übrigen Nikolausberg entsprechen.

Der Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen kann von der ortsansässigen Kindertagesstätte „Baumhaus“ nicht mehr gedeckt werden. Für eine Ausweitung der Kapazitäten sollen neben dem Baugebiet auch andere Standorte im Ort geprüft werden.

Bereits jetzt ist in dem angrenzenden Siedlungsareal ein erheblicher Mangel an Kfz-Stellplätzen zu beklagen. Reiner Geschosswohnungsbau würde – bei Einhaltung der geringen Werte der Göttinger Stellplatzordnung – diesen Mangel ins Unerträgliche steigern. Der jetzt schon jedem Besucher ersichtliche Mangel zwingt eigentlich zu der Prüfung, ob nicht zusätzliche öffentliche Stellplätze geschaffen werden können.

„Wohnen mit Weitblick“ wird mit der Umsetzung dieses Antrages weiterhin gefördert, aber mit Augenmaß.