Frust und Wut über Winterdienst nach Vorschrift

CDU-Ratsfraktion fordert in außerordentliche Lagen außerordentliche Anstrengungen.

Nicht mehr zu zählen sind die bitteren Beschwerden aus den Göttinger „Bergdörfern“, dass weder häusliche Pflegedienste noch Essen auf Rädern die Haushaltungen dort erreichen können. Selbst am vierten Tag nach den massiven Schneefällen können Grundschulen und Kitas nicht erreicht werden, wodurch die Eltern mit systemrelevanten Berufen vor kaum lösbare Probleme gestellt werden. Fast eine ganze Woche zuvor hatten Meteorologen aufs Eindringlichste vor der besonderen Wetterentwicklung gewarnt – eigentlich war also Zeit genug zur Vorbereitung angemessener Maßnahmen. Die Nachfragen bei den Göttinger Entsorgungsbetrieben (GEB) werden nun allerdings mit einer derartigen „Dienst-nach-Vorschrift“-Attitüde beantwortet, dass nicht nur dem Vorsitzenden der CDU-Ratsfraktion der Kragen platzt.

Das sagt Olaf Feuerstein, Fraktionsvorsitzender:

„Dass ein „Flockdown“ eine Stadt 48 Stunden lahmlegt, mag unter extremen Bedingungen noch angehen, dass es aber trotz Sonnenscheins dann volle drei Tage dauern soll, bis nach der „Prioritätsliste“ die Schneepflüge auch zum ersten Mal in den höheren Lagen der Stadt zu räumen beginnen, darf wohl nicht wahr sein. Wenn die Göttinger Entsorgungsbetriebe offensichtlich zu wenige Fahrzeuge für den Winterdienst umrüsten können, dann ist da wohl an der falschen Stelle gespart worden. Aber dann können wir das auch nicht als gottgegeben hinnehmen – dann muss von anderer Seite schnelle Hilfe her: vom Baubetriebshof, vom THW und auch privaten Unternehmen wie Baufirmen und Maschinenringen. Wer als Betriebsleiter in solchen Situationen nicht flexibel reagieren kann und dies auch verantworten will, der muss sich fragen lassen, ob er er an der richtigen Stelle sitzt. Wohlgemerkt: den Mitarbeitern der GEB gilt unser ausdrücklicher Dank für ihren Dauereinsatz.“

Zum Hintergrund:

Auszug aus einer Auskunft von Dirk Brandenburg, Geschäftsführer der Göttinger Entsorgungsbetriebe am 8. Feb. 2021:

Alle Winterdienstfahrzeuge unseres Fuhrparks sind und waren auch am Wochenende („rund um die Uhr“) im Einsatz. Pro Schicht sind 9 Winterdienstfahrzeuge, sieben Fahrzeuge auf den Straßen und zwei auf den Radwegen, im Einsatz. Dazu kommen noch 10 Kolonnen im manuellen Bereich. Da die Abfallentsorgung heute nicht stattfinden kann, sind weitere drei Fahrzeuge zur Unterstützung der Touren unterwegs und auch zwei weitere Kolonnen im manuellen Bereich im Einsatz. 

Der Winterdienst erfolgt nach Prioritäten, die vom Rat der Stadt Göttingen beschlossen worden sind. Hauptverkehrsstraßen und Straßen mit öffentlichem Personennahverkehr, auch Zufahrtsstraßen zu Krankenhäusern haben Vorrang vor Wohnstraßen. Es versteht sich von selbst, dass die Mitarbeiter nicht zu jeder Zeit überall im Stadtgebiet gleichzeitig ihre Einsätze leisten können.

Aufgrund des anhaltenden Schneefalls schneien gerade geräumte Straßenabschnitte schnell wieder zu.

Die GEB verwenden bereits seit Jahren keinen Splitt mehr im Winterdienst auf Fahrbahnen. Vielmehr kommen über das Schneeräumen hinaus noch Sole und Feuchtsalz zum Einsatz. Beides ist wirksamer und auch sparsamer im Verbrauch und besser für die Umwelt.“

Der Wintereinbruch stellt uns alle vor große Herausforderungen. Personal und Geräte sind limitierende Faktoren und bei anhaltendem Schneefall können die Mitarbeiter verständlicher Weise nicht über das gesamte Stadtgebiet verteilt präsent sein.“