Fraktion vor Ort: Hagenweg 20/20a

4. Besuch am 17. April 2021

Bericht von Olaf Feuerstein, Vorsitzender der CDU-Ratsfraktion Göttingen

Liebe Interessierte,

hier nun mein 4. Bericht aus dem Hagenweg vom Samstag den 17. April 2021. Diesmal habe ich mir bewusst den Samstag in den frühen Abendstunden für meinen Besuch ausgesucht. Jeder Tag im Hagenweg ist irgendwie immer etwas anders, daher wird es mich immer wieder an verschiedenen Wochentagen zu völlig verschiedenen Zeiten in den Hagenweg ziehen….. nur so kann ich mir einen 100-prozentigen Überblick verschaffen, der allen Seiten gerecht wird.

Aber eins heute vorweg:

Das Echo auf meine Besuche ist vor allem bei den Bewohnern und sehr vielen Göttingern durchweg positiv, ich erhalte viele Unterstützungsangebote und Zuspruch.

Kritik und Spott erfahre ich komischerweise von vielen Ratskollegen, besonders vom Rot-Grünen Haushaltsbündnis. Mir wird Wahlkampfgetöse unterstellt – einfach unglaublich diese Aussagen. An dieser Stelle darf etwas Nachhilfe in die Richtung von Rot-Grün erlaubt sein.

Seitdem im Juni 2020 in der Groner Landstraße 9a/9b sich 120 Bewohner mit Corona infizierten und die dort herrschenden prekären Wohnverhältnisse wieder stärker ins Rampenlicht rückten, kümmert sich die CDU-Ratsfraktion um die unhaltbaren Zustände in den Göttinger Problemimmobilien. Da war von Wahlkampf noch keine Spur. Immer dann, wenn die Opposition den Finger in diverse Wunden und Schwächen des Haushaltsbündnisses legt, kontert Rot-Grün lapidar mit „alles nur Wahlkampfgetöse“! Seit fast 15 Jahren regiert in Göttingen Rot-Grün und genauso lange passierte absolut nichts im Hagenweg und den anderen Problemimmobilien. Für mich ein klarer Fall von Sozialversagen – trotz Rot-Grüner Regierungsverantwortung.

Der heutige Tag im Hagenweg war von vielen Einzelgesprächen geprägt. Ich werde freundlichst von Frau L. und ihrer Mutter begrüßt und frage nach, ob die Mängel abgestellt worden sind. Natürlich nicht! Die mir bekannten Mängel werde ich gleich Anfang nächster Woche im Hausmeisterbüro zu Sprache bringen und nachhaken, warum die einfachsten Dinge nicht zeitnah erledigt werden. Frau L. zeigt mir den kompletten Chatverlauf mit ihrem Vermieter und sofort erkenne ich, dass Geduld bei den Mietern ausreichend vorhanden ist.

Ich gehe in das Gebäude und bin mit Herr R. verabredet. Auf dem Weg dorthin treffe ich Herrn L., welcher seit fünf Jahren im Hagenweg wohnt. Er ist mit wenig zufrieden und schimpft berechtigt über die sehr lauten allabendlichen Umgebungsgeräusche sowie die anderen Begleiterscheinungen, den Unrat in den Fluren und viele andere Dinge.

Fast nebenan wohnt Herr R., er wartet schon auf mich und lädt mich in seine kleine Wohnung ein. Ich möchte mit Herr R. gemeinsam in den nächsten Tagen drei bis vier wichtige Kontaktleute im Haus treffen, um die nächsten Aufräumaktion zu besprechen. Hierfür brauche ich die Mithilfe aller Bewohner, ansonsten kommen wir der Entmüllung der Balkone und anderer Bereiche nicht weiter voran. Nächste Woche wird es hierzu konkreter.

Natürlich könnte man sagen, dass die Bewohner hierfür selbst verantwortlich sind, aber davon sind wir im Hagenweg weit entfernt. Zulange haben Vermieter die Bewohner im Stich gelassen und nur kassiert, Resignation machte sich breit. Insofern wundere ich mich nicht, dass hier einfache Dinge wie Sauberkeit und Ordnung schwerfallen. Ich bin der Meinung, dass wir helfen müssen, auch wenn es ein mühevoller Weg wird. Der Alltag wird sich dort nur verbessern, wenn die notwendige Unterstützung gegeben wird und die Bewohner auch eine Wertschätzung erfahren. Natürlich gibt es und wird es Rückschritte geben. Im Hof liegt in der völlig aufgeräumten Außenanlage wieder ein altes Sofa – mehr aber nicht. Manche Personen sehen das negativ, ich werte es dennoch positiv, da die Müllprobleme leicht abnehmen. Kleine Erfolge also.

Ein kleiner Hinweis noch an die Facebook-Gruppen „Wenn du in Göttingen aufgewachsen bist, dann …“ oder „Meine Stadt Göttingen“ in denen sich in Teilen respektlos über die Bewohner ausgelassen wird. Viele Bewohner lesen die Kommentare und schütteln über manch niveaulosen Beitrag nur den Kopf. Da sind mir die Gespräche mit den Bewohnern im Hagenweg lieber. Aber im Netz lässt es sich ja einfach urteilen und lästern, vor Ort helfen ist schon schwieriger.

Ich bin kommende Woche zweimal im Hagenweg vor Ort, um die nächsten gemeinsamen Aktionen mit den Bewohnern auf den Weg zu bringen. Seit dieser Woche liegt mir auch die vollständige Liste aller Eigentümer vor, so kann ich nun alle Vermieter gezielt ansprechen und mit den vielen Missständen konfrontieren. Auch hier muss nun einiges passieren….. ich werde natürlich wieder darüber berichten.

Wie das war`s für heute? Erst einmal schon, denn viele der Themen, die mir die Bewohner berichten, bleiben bei mir, denn nicht alles was wir besprochen haben, gehört an die Öffentlichkeit. Ich kümmere mich dennoch um die vielen nicht bekannten Einzelheiten und hoffe, etliches bewegen zu können.

Bis nächste Woche,

Ihr Ratsherr Olaf Feuerstein