Fraktion vor Ort: 6. Besuch im Hagenweg 20/20a am 23. April 2021

Bericht von Olaf Feuerstein, Vorsitzender der CDU-Ratsfraktion Göttingen

Liebe Leser,

wie angekündigt, bin ich diese Woche erneut im Hagenweg 20/20a. Es ist kaum möglich bei meinen zwei- bis dreistündigen Besuchen alle Mängel aufzunehmen, daher habe ich weitere zusätzliche Besuche in meinen Terminkalender eingeplant. In Kürze findet die nächste Eigentümerversammlung statt, hier möchte ich dann meine Chance nutzen, alle aufgenommen Missstände der Versammlung vorzustellen.

Wie üblich beginne ich zuerst immer mit einem Rundgang um das komplette Gebäude und verschaffe mir einen Überblick, ob der aufgeräumte Zustand weiterhin anhält. Und so ist es! Ich bin positiv überrascht und stelle fest, dass die grundsätzlich verbesserte Ordnung um das Gebäude Bestand hat. Etwas Gedanken machte mir der neuerliche Berg an Sperrmüll. Aber Dank des umsichtigen Herrn B. von der Boneo Hausverwaltung, hat dieser mit den Mitarbeitern der GEB einen wöchentlichen Abholtermin vereinbart. Eine gute Idee, denn jeder Bewohner hat sonst sicherlich auch die Möglichkeit Sperrmüll zu beantragen, was bei 164 Wohnungen voraussichtlich deutlich aufwendiger ist. Ebenso sorgt das Boneo Team jeden Morgen für Sauberkeit auf allen Hausfluren und den aus Mieterbequemlichkeiten abgestellten Müll zu entsorgen.

Es spricht sich wieder schnell rum, dass ich vor Ort bin. Ein Jugendlicher kommt auf mich zu und fragt, was ich heute im Hagenweg machen werde. Ich erkläre ihm einige Details und er fragt mich, ob ich mir auch die Wohnungsprobleme in der Wohnung seiner Großmutter ansehen kann. Das spricht sich sofort unter den bulgarischen Familien herum und innerhalb kürzester Zeit bin ich umringt von Mietern, die mich alle in ihre Wohnungen einladen, was ich freundlich annehme. Insgesamt schaue ich mir sechs Wohnungen an, keine Wohnung ist frei von Mängeln. Alle Mängel, die mir gezeigt werden, sind allesamt Reparaturen, die durch die Vermieter auszuführen sind. Abgestellt werden diese Dinge nicht, denn es ist sofort sichtbar, dass die Schäden älter sind. Diverse Wasserschäden, riesige Flecken, Tapeten die sich lösen, Wände mit starkem Schimmelbefall und so und so weiter. Fast alle Balkontüren lassen sich nicht mehr problemfrei öffnen, Türzargen hängen lose in den Türöffnungen. Was heute erneut auffällt, ist die Tatsache, dass sehr viele Wohnungen völlig überhitzt sind, obwohl draußen angenehme Temperaturen herrschen. Viele Heizungen sind derart heiß, dass locker Spiegeleier auf ihnen gebraten werden könnten. Die Thermostate reagieren nicht oder sind abgerissen. Die Hausheizung läuft anscheinend auf Höchstleistung, eine unerträgliche Wärme in den Wohnungen ist sehr auffallend. Auch hier scheint der Vermieter bzw. die WEG Verwaltung keine Freigabe zur Neuinstallation einer zeitgemäßen, außentemperaturgesteuerten Heizungsanlage zu haben.

Zwischendurch ruft mich Herr Schulze vom NDR an, mit dem ich für heute im Hagenweg verabredet bin. Ich unterbreche meinen Rundgang kurz und nehme ihn auf meinen weiteren Wohnungsbesichtigungen mit. Überall werden wir freundlich empfangen, keine Schimpfereien, keine Beleidigungen. Da ich heute im Anzug unterwegs bin, glauben anfangs einige Mieter, dass zum Mehrheitseigentümer Coreo gehöre, was ich verneine.

Ich mache von allen festgestellten Mängeln sogleich Fotos und zusätzlich Notizen. Alle Mängel werde ich umgehend der Hausverwaltung schriftlich mit der Bitte um Erledigung übermitteln… wie jede Woche. Erledigt wurde bis heute keiner der Mängel, die ich erfasst habe. Ich gedulde mich noch ein paar Tage und behalte alle Mängel in meiner Handakte im Auge. Positiv ist bei den sechs Wohnungsbesichtigungen festzuhalten, dass alle Wohnungen in Sachen Sauberkeit in einwandfreiem Zustand und mit individueller Gemütlichkeit ausgestattet sind, die man von außen kaum vermuten würde. Kompliment an die Mieter, kein Kompliment an die Vermieter, welche die diversen Mängel schlichtweg ignorieren. Beklemmend ist die Tatsache, wie viele Bewohner teilweise hier auf engstem Raum leben, teilweise haben wir sechs bis sieben Personen auf ca. 35 qm angetroffen.

Aus meiner ganz persönlichen Sicht sind hier mehr als 50 % der Bewohner im Hagenweg unschuldig gelandet. Persönliche Schicksale, einfach durch das Raster gefallen… letzte Zuflucht Hagenweg.

Auffällig ist sicherlich auch, dass hier ein reges Kommen und Gehen herrscht. Nicht alle, die wir heute antreffen, wohnen im Hagenweg und sind klassisch einfach nur zu Besuch im Haus. Hierauf komme ich später wieder zurück.

Ich mache mit Herrn Schulze einen weiteren Rundgang um das Haus und zeige ihm, was sich schon alles verbessert hat. Hierbei treffen wir weitere Bewohner und unterhalten uns. Die Stimmung ist immer freundlich und aufgeschlossen. Ich unterhalte mich immer wieder gern mit Herrn S., er lebt seit 38 Jahren im Hagenweg und kennt sich bestens aus und hat die guten Zeiten im Hagenweg miterlebt. Herr S. kann mir viele Aufklärungsfragen beantworten, übertreibt nie, berichtet stets sachlich und ist somit für mich ein zuverlässiger Gesprächspartner.

Herr Schulze und ich ziehen weiter um das Gebäude. Ich zeige ihm den aufgeräumten Hofbereich/Einfahrt zur Garage. Natürlich liegt hier etwas Müll, aber alles ordentlich abgelegt bis zum nächsten Donnerstag. Angesichts der Müllberge auf den Balkonen wird dies noch eine Weile anhalten.

Wir gehen gemeinsam in die Garage, Herr Schulze ist geschockt. Das war ich anfangs auch, allerdings sind alle Wege frei und der erste Blick ist ordentlich trotz verrußter Decken und gruseliger Stimmung in der dunklen, unbeleuchteten Tiefgarage. Wir gehen nach hinten durch und entdecken eine halb geöffnete Garage, welche voll mit Unrat ist. Von oben rieselt Wasser aus undichten Leitungen… eine üble Ecke und Nährboden für vierbeinige Nager. Auf der anderen Seite der Garage steht alles unter Wasser, verursacht nicht durch Regen, sondern wieder durch undichte Wasserleitungen unterhalb der Decke. Auch hier in der Tiefgarage kümmert sich niemand darum, diese Probleme abzustellen. Allein die Aufräumaktion in der Tiefgarage wird ein schwerer Organisationsbrocken.

Natürlich treffen wir auch Herrn R., wir haben uns heute verabredet. Wir besprechen erneut, ob er Helfer auftreiben konnte, mit denen wir gemeinsam mit den Mietern die anstehende Balkonaufräumaktion durchführen können. So richtig kommen wir nicht voran, ich werde meinen Plan hierfür ändern und alles mit Frau S. und Herrn B. von der Boneo organisieren. Die Balkonaufräumaktion ist der nächste wichtige Schritt, sonst bekommen wir das Ungezieferproblem in den Wohnungen nicht in den Griff. Positiv gestimmt bin ich, weil sich bei mir mittlerweile schon mehr als 20 Unterstützer gemeldet haben, welche die Aufräumaktion tatkräftig unterstützen. Noch laufen die Vorbereitungen dazu, ich werde alle rechtzeitig vorher informieren und inhaltlich mitnehmen. Auch die Mängel in der Wohnung des Herrn B. nehme ich auf und melde diese ans Hausmeisterbüro weiter.

Nun sind wieder fast drei Stunden im Hagenweg vorbei, vier DIN-A4-Seiten mit Mängeln gefüllt. Die Abarbeitung dieser Liste nebst allen Fotos wird mich noch einige weitere Stunden beschäftigen…. hierum kümmere ich mich am Sonntag, damit die Mängel gleich am Montag der Hausverwaltung vorliegen.

Gedanklich bin ich jeden Tag im Hagenweg, in Präsenz aber nächste Woche Dienstag und Freitag wieder.

Bis dahin herzlichst,

Ihr Olaf Feuerstein