Erneuter Alleingang der Kulturdezernentin sorgt für Unmut

Nach Sanierung des Otfried-Müller-Hauses soll nur das JT zurück an den Wochenmarkt – Förderung in Gefahr?

Nach dem gescheiterten Vorstoß der Kulturdezernentin das Städtische Museum ohne politische Beteiligung des Rates in das Forum Wissen auszulagern, folgt nun der zweite kulturpolitische Alleingang. Die Sanierung des Otfried-Müller-Hauses beschäftigt die Göttinger Ratspolitik schon seit vielen Jahren. Nach dem Projektantrag für Bundesfördermittel im Jahr 2015 wurde der Sanierungsstart schon mehrfach verschoben. Nach aktuellen Planungen soll es erst frühestens im Sommer 2022 losgehen können – Obwohl die Mieter Junges Theater, JT-Keller, KAZ und auch das Francis Drake bereits 2019 ausziehen mussten.

Die neuerlichen Pläne beinhalten auch eine Überraschung, mit der die Ratspolitik sicher nicht gerechnet hatte: „Es wurde immer wieder betont, dass Junges Theater und KAZ gemeinsam wieder zurück in das Otfried-Müller-Haus ziehen. Darauf beruhen auch alle politischen Beschlüsse der vergangenen Jahre. Auf einmal will die Verwaltung anscheinend nichts mehr davon wissen und möchte nur noch das Junge Theater zurück an den Wochenmarkt holen und das KAZ am liebsten dauerhaft in der ehemaligen Voigt-Schule ansiedeln. Das entbehrt jeder politischen Grundlage und ist der nächste Alleingang der Kulturdezernentin“, so die kulturpolitische Sprecherin der CDU-Ratsfraktion Göttingen, Wibke Güntzler. „Seit Jahren werden wir mit einer Salami-Taktik hingehalten. Immer wieder haben sich Kosten erhöht, Zeitleisten verschoben und Sanierungspläne geändert. Mit der dreisten Überraschung, dass nur das Junge Theater in seine alte Spielstätte zurückzieht, ist das Maß wirklich voll.“

Auch die politischen Beschlüsse seien dazu stets eindeutig gewesen. Hinter jeder Entscheidung stand die Prämisse, dass KAZ und JT gemeinsam das dann neu gestaltete Otfried-Müller-Haus mit Leben füllen. „Daran muss sich auch gehalten werden“, so Güntzler.

Die CDU sieht zudem die gesamte Sanierung des Otfried-Müller-Hauses in Gefahr, war doch der Antrag auf Fördermittel aus dem Jahr 2015 auf die Rückkehr beider Institutionen, JT und KAZ gemeinsam, ausgelegt. „Die gesamte Sanierung des Otfried-Müller-Hauses wird damit leichtsinnig aufs Spiel gesetzt. Wir als CDU können das so nicht hinnehmen und erwarten eine schnellstmögliche Klärung des Sachverhaltes“, so Güntzler.

Im städtischen Projektantrag aus 2015 für das Bundesprogramm Sanierung Sport-, Jugend- und Kultureinrichtungen heißt es unter anderem:

„Sowohl das KAZ als auch das JT sind im OMH, Hospitalstraße 6, 37073 Göttingen ansässig. Ziel der beantragten Maßnahmen ist es, den Standort für beide Einrichtungen im OMH und damit am Wochenmarkt und in der Innenstadt langfristig zu sichern. […] Aufgrund der räumlichen Struktur, der technischen Gegebenheiten und der unterschiedlichen Bedürfnisse stoßen KAZ und JT im OMH an ihre räumlichen Nutzungsgrenzen. Beide Einrichtungen sollen perspektivisch von Synergieeffekten im Bereich der Projekte und Veranstaltungen stärker profitieren und ihre spezifischen Qualitäten und Kompetenzen einbringen. […] Die Aufnahme in das Förderprogramm ist Voraussetzung, den Betrieb von KAZ und JT am Standort langfristig zu sichern.“