CDU stellt Halbwertszeit von Beschlüssen in Frage

Entscheidungen im Rat zur Zukunft von OHG und Boni I wiedersprechen neuen Plänen von Rot-Grün

CDU plädiert für vollständigen OHG-Anbau und macht Kompromissvorschlag für Boni I  

Die Göttinger Stadtverwaltung hat in der Sitzung des Schulausschusses am 30. Januar ihre Pläne zur Anpassung der Investitionen in die Göttinger Schulen vorgestellt. Dieser Schritt war nötig, da durch Kostenexplosionen für einzelne Sanierungs- oder Erweiterungsprojekte Budgets teilweise massiv überschritten worden sind. Die Fraktionen von SPD und Grünen haben bereits zu verstehen gegeben, dass sie diesem neuen Vorschlag folgen wollen.

„Der Rat hat im Mai 2019 einstimmig das Schulstättenentwicklungskonzept beschlossen. Jetzt soll alles auf den Kopf gestellt werden. Diese geringe Halbwertszeit können wir nicht nachvollziehen“, so der Fraktionsvorsitzende Olaf Feuerstein. Besondere Kritikpunkte für die CDU-Fraktion seien die undurchsichtige Planung für das Otto-Hahn-Gymnasium und die Bonifatiusschule I.

Das Otto-Hahn-Gymnasium sollte laut eigentlicher Planung einen vierstöckigen Anbau bekommen, um dem enormen Raumbedarf gerecht zu werden. Vorgesehen waren über 20 neue Räume zum Unterrichten und Lernen sowie eine Mensa und eine barrierefreie Erschließung der gesamten Schule. Im Haushalt waren dafür 7,7 Mio. € bereitgestellt.

Nach einer erneuten Kostenschätzung müssten nun für die gleichen Leistungen über 12 Mio. € aufgewendet werden. Hinzu kommen noch einmal rund 4 Mio. € für eine Brandschutzsanierung, die vorher überhaupt nicht geplant gewesen war. Ein Neubau mit vierter Etage wie ursprünglich geplant würde jetzt also 16,3 Mio. € anstatt 7,7 Mio. € kosten. Die von der Verwaltung bevorzugte Variante beinhaltet weiterhin einen Neubau, jedoch nur mit drei anstatt mit vier Geschossen. Dafür sind 15,2 Mio. € veranschlagt. Hinzu kämen noch Mietkosten für die Nutzung von Räumen der anliegenden Berufsbildenden Schule II, aktuell angesetzt mit 54.000 € pro Jahr.

„Es geht um eine Million Euro für das vierte Geschoss, das alle räumlichen und didaktischen Probleme der Schule auf einen Schlag lösen könnte. Diese Investition ist im Verhältnis zu der wahrscheinlich jahrzehntelangen anfallenden Miete für die BBS II gut vertretbar“, plädiert Feuerstein und wirbt für einen vollständigen Anbau am OHG.

Für Neubau- und Sanierungsmaßnahmen an jetzigen Standort der Bonifatiusschule I waren bisher 5,5 Mio.€ eingeplant. Die Kosten für diese Variante sind inzwischen auf 6,7 Mio. angestiegen. Alternativ stünde ein Umzug der Bonifatiusschule I in die Käthe-Kollwitz-Schule seitens der Verwaltung zur Auswahl. „Im einstimmig beschlossenen Schulstättenentwicklungskonzept gibt es dazu eine eindeutige Antwort: ‚Die Bonifatiusschule I bleibt am Standort‘“, so Feuerstein.

„Wir können nicht nachvollziehen, wieso die Boni I aus der Innenstadt nach Geismar abgeschoben werden soll. Dort gibt es bereits ein gut funktionierende Grundschul-Struktur. Die enge Zusammenarbeit mit der Boni II und der St. Michael-Gemeinde wäre nicht mehr möglich. In der Innenstadt hingegen wäre dann nur noch die jetzt schon überfüllte Albanischule übrig. Sie alleine wird den Bedarf nicht decken können“, kommentiert Wibke Güntzler.

Um einen Kompromiss erzielen zu können, wird die CDU einen weiteren Vorschlag einbringen. Dieser beinhaltet den Umzug der Bonifatiusschule I in die ehemalige Voigt-Schule. Die aktuelle Spielstätte von Jungem Theater und KAZ könne nach deren geplanten Umzug zurück in das Otfried-Müller-Haus die neue Heimat der Boni I werden. „Die Raumprobleme der Boni I wären gelöst – und das ohne teure Baumaßnahmen während des laufenden Schulbetriebes. Zudem könnte das Grundstück der Boni I an der Bürgerstraße 52-54 unseren Schätzungen nach für ungefähr 3,5 Millionen Euro veräußert werden. Das würde uns wieder mehr Spielraum für andere Investitionen geben“ so Güntzler.